Die Stimme des Kulturerbes in Europa

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Aktuelles

The 7 Most Endangered 2021 - shortlist bekannt gegeben

10.12.2020

Die Achenseebahn in der Auswahlliste der 12 am stärksten gefährdeten europäischen Kulturerbestätten!


Das Programm "7 Most Endangered" ("Die 7 am meisten gefährdeten Stätten") identifiziert die am stärksten bedrohten Denkmäler, Stätten und Landschaften in Europa und mobilisieren öffentliche und private Partner auf allen Ebenen, um eine tragfähige Zukunft für diese Kulturschätze zu finden.

 

Das „7 Meistgefährdete“ Programm wird von Europa Nostra in Zusammenarbeit mit dem Institut der Europäischen Investitionsbank (EIB-I) durchgeführt. Es wird auch vom Creative Europe-Programm der Europäischen Union unterstützt. Dieses 2013 gestartete Programm ist Teil einer zivilgesellschaftlichen Kampagne zur Rettung des gefährdeten europäischen Erbes. Es sensibilisiert, bereitet unabhängige Bewertungen vor und schlägt Handlungsempfehlungen vor. Obwohl keine direkte Finanzierung bereitgestellt wird, dient die Nominierung eines gefährdeten Standorts häufig als Katalysator und Anreiz für die Mobilisierung der erforderlichen öffentlichen oder privaten Unterstützung, einschließlich der Finanzierung.

Bis 2020 wurde alle zwei Jahre eine neue Liste der 7 am stärksten gefährdeten Kulturerbestätten in Europa veröffentlicht. Ab 2021 wird diese Liste jährlich veröffentlicht. Multidisziplinäre Teams von Erbe- und Finanzexperten führen Rettungseinsätze an den ausgewählten Standorten durch und helfen dabei, für jeden einen durchführbaren Aktionsplan zu erstellen.

Für die Ausgabe 2021 erhalten die ausgewählten 7 meistgefährdeten Stätten des Kulturerbes zum ersten Mal seit Beginn des Programms einen EIB-Kulturerbezuschuss von bis zu 10.000 EUR pro Stätte. Der EIB Heritage Grant kann den in Frage kommenden „7 Meistegefährdeten“ gewährt werden, um die Umsetzung einer vereinbarten Aktivität zu unterstützen, die zur Rettung des bedrohten Kulturerbes beiträgt.

Nominierungen für das 7 meistgefährdete Programm 2021 wurden von Mitgliedsorganisationen, assoziierten Organisationen und einzelnen Mitgliedern von Europa Nostra aus ganz Europa sowie von Mitgliedern der European Heritage Alliance eingereicht

Europa Nostra und seine Partnerorganisation, das Institut der europäischen Investitionsbank, haben am 10.Dezember 2020 jene 12 Kulturdenkmäler in Europa bekanntgegeben, aus denen dann die Kulturdenkmäler für das Programm der “7 Meistgefährdeten” 2021 ausgewählt werden.

 


* Diese Benennung erfolgt unbeschadet der Positionen zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244/1999 des UN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des ICJ zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovo.

 

 DIE ACHENSEEBAHN

 

Die Achenseebahn ist eine dampfbetriebene Zahnradbahn, die Jenbach mit dem Achensee in Tirol verbindet. Die schmalspurige Achenseebahn, die seit über 130 Jahren im Einsatz steht, ist ein authentisches Beispiel für die europäische Industriegeschichte; es besteht jedoch die Gefahr, dass sie verloren geht – da sie auch nicht unter nationalem Denkmalschutz steht.

Andere ähnliche europäische Eisenbahnen, die dasselbe System verwendeten, wurden wegen nicht durchgeführter Modernisierung und Überalterung der Technologie geschlossen oder abgerissen. Die Achenseebahn ist die einzige öffentliche Eisenbahn der Welt, die seit ihrer Eröffnung im Jahr 1889 die gesamte Ausrüstung eines Eisenbahnsystems aus dem späten 19. Jahrhundert nutzt. Dessen Elemente sind Dampflokomotiven, Personenwagen, ein Lokschuppen mit Schiebebühne, Werkstatt, Gleise, Bahndämme und Brücken. Die Konzessionsurkunde für die Errichtung der Eisenbahn wurde vom österreichischen Kaiser Franz Josef I. unterzeichnet.

Im Frühjahr 2020 ging die Achenseebahn Aktiengesellschaft in Konkurs. Die meisten von der Tiroler Landesregierung versprochenen Subventionen wurden nie ausgezahlt. Diese einzigartige Infrastruktur kann aufgrund mangelnder Wartung schnell kaputt gehen und ihre ursprüngliche und stets ausgeübte Funktion nicht mehr erfüllen.

Das Internationale Komitee zur Erhaltung des industriellen Erbes (TICCIH) und der Internationale Rat für Denkmäler und Stätten (ICOMOS) unterstützten die Kampagne zur Erhaltung der Achenseebahn, an der lokale Verbände und Freiwillige beteiligt sind. ICOMOS Austria nominierte mit Unterstützung von TICCIH Austria die Achenseebahn für das Programm der 7 am stärksten gefährdeten Kulturdenkmäler 2021.

Das Beratungsgremium des Programms der 7 am stärksten gefährdeten Kulturdenkmäler hat erklärt:„ Die sorgfältige Wartung und Bemühung in den letzten 131 Jahren, das gesamte technische Ensemble in einem einwandfreien Erhaltungszustand zu halten, trägt wesentlich zu seiner Authentizität bei und macht es zu einer der wichtigsten Touristenattraktionen im Land Tirol. Jedoch: das Überleben der Achenseebahn ist derzeit in Gefahr. Die dringend benötigten Investitionen für die Instandhaltung der Eisenbahnstrecke, deren Finanzierung die lokale Landesregierung bereits zugestimmt hatte, blieben aus, und der reguläre Zugverkehr musste eingestellt werden. Wir hoffen, dass mögliche Neuverhandlungen der Finanzierungsprobleme Früchte tragen können. Die öffentliche Unterstützung für die Rettung der Eisenbahn wächst nicht nur durch die Aktivitäten des Achenseebahn-Fördervereins, sondern auch durch die begeisterten Enthusiasten, die die Strecke mit großem Engagement betreiben.“

 

Der Exekutivpräsident von Europa Nostra, Prof. Dr. Hermann Parzinger, erklärte: „In einer Zeit einer bedrückenden globalen Krise stehen wir in voller Solidarität mit den lokalen Gemeinden in ganz Europa, die die unermüdlichen Verwalter unserer am stärksten gefährdeten Kulturgüter sind. Wir stehen in Solidarität und wir bleiben auch aktiv. Sie können sich darauf verlassen, dass Europa Nostra und unser breites Netzwerk von Mitgliedern und Partnern unsere Stimmen zur Verteidigung dieser 12 Stätten Kulturerbes erheben, die für immer verloren gehen könnten. Von einzigartigen Naturlandschaften über Stätten religiöser Bedeutung bis hin zu architektonischen Juwelen der Moderne verkörpern diese bemerkenswerten Stätten unsere gemeinsame Geschichte und sind eine unerschlossene Quelle der Entwicklung und des Wohlbefindens für die beteiligten Regionen und Länder sowie für Europa insgesamt. Lassen Sie uns in einer Zeit, in der es am dringendsten benötigt wird, zusammenarbeiten, um unser kulturelles Erbe zu bewahren und es dort zu platzieren, wo es hingehört: im Herzen der Bemühungen zur Erholung nach der Pandemie in Europa.


Der Dekan des Instituts der Europäischen Investitionsbank, Francisco de Paula Coelho, sagte: „Diese Auswahlliste ist eine wichtige Erinnerung daran, dass unser kulturelles Erbe fragil ist und nicht als selbstverständlich angesehen werden sollte. Mit dieser Auswahlliste möchten wir gemeinsam die Bemühungen lokaler Gemeinden unterstützen und verstärken, die in ganz Europa von dem immensen und vielfältigen Wert unseres kulturellen Erbes überzeugt sind. Um unser gemeinsames kulturelles Erbe als Motor einer nachhaltigen Entwicklung voll auszuschöpfen, müssen wir die Erhaltung des Bestandes als ersten und dringendsten Schritt sicherstellen.